Führung

Wie sieht Führung in der agilen Welt aus?

Agilität ist für all jene Unternehmen ein Thema, die dem immer schneller werdenden Markt standhalten wollen. Durch innovative, agile und digitale Ansätze wird eine Organisation flexibel, aktiv und anpassungsfähig. Welche Anforderungen und Veränderungen ergeben sich hieraus für die Führungskräfte?

Als Führungskraft, oder besser als Führungspersönlichkeit, eines selbstorganisierten Teams oder einer selbstbestimmten Einzelpersonen, ergeben sich neue Anforderungen.

Agile Führung funktioniert, indem Mitarbeiter befähigt werden, selbstorganisiert zu arbeiten. Selbstorganisation bedeutet das autarke Treffen von Entscheidungen und Strukturieren von Aufgaben seitens der Mitarbeiter. Eine pro-aktive, offene und ehrliche Kommunikation wird erwartet. Transparenz, geschaffen durch agile Methoden, ist alltäglich.

Agile Führung ist eine Haltung

Wenn wir von Haltung in der agilen Führung sprechen, dann reden wir hier meist von agilen Werten, die gelebt werden wollen. Die Beziehung zu Mitarbeitern und Kunden ist wichtig – das war schon immer so und ist in einem agilen Umfeld ebenfalls das zentrale Thema. Hierzu braucht es eine wertschätzende Kommunikation. Dazu gehört Offenheit, Respekt und Transparenz. Der Fokus auf das funktionierende Produkt bedeutet, alle Bemühungen und Aktivitäten lösungs- und ergebnisorientiert zu tätigen. Auch bedarf es an Feedback in kurzen Iterationen sowie Mut, Dinge auszuprobieren und anzusprechen. Eine offene Feedbackkultur ist wichtig, was bedeutet, dass Fehler nicht als „schlecht“ oder „falsch“ interpretiert werden sollten Wir entscheiden uns für ein Vorgehen. Probieren dieses aus. Und wenn wir nach der Iteration feststellen, dass wir mit dem Ergebnis unzufrieden sind, gehen wir einen anderen Weg. Es gibt keine Fehler, es gibt nur Feedback. Daher ist auch ein vorgegebener Plan nicht das, was zielführend ist. Eine Produktvision, nach der sich alle ausrichten, ist ausreichend.

Welchen Anforderungen stellt das agile Arbeiten an eine Führungspersönlichkeit?

Eine Führungspersönlichkeit sollte im stetigen Lernprozess sein. Sich selbst zu führen ist der erste Schritt, um für andere ein Anker zu sein. Die Führungspersönlichkeit muss lernen, sich selbst ein Coach zu sein. Das bedeutet sich selbst zu reflektieren und seiner Selbst bewusst zu sein. Sich seiner selbst bewusst zu werden ist Persönlichkeitsarbeit.. Den Abgleich zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung zu machen, ist ein lebenslanger Prozess. Wesentlich sind hier die Fragen nach Individualität und Selbstverwirklichung. Dafür sollte die Führungspersönlichkeit herausfinden, wer sie wirklich ist und was sie antreibt. Hier spielen die eigenen Werte, Überzeugungen, Glaubenssätze, Prägungen und Lebensziele eine große Rolle.

Nicht jede Führungspersönlichkeit sieht die Relevanz der eigenen Persönlichkeit für eine „gute“ Führung. Häufig wird der Fokus in der Weiterentwicklung von Führungskräften auf das Lernen neuer Methoden gelegt. Dabei liegt der Hebel ganz woanders: Wenn ich mich von einer klassischen Führungskraft zu einem Agile Leader entwickeln möchte, dann muss ich an meiner Haltung arbeiten. Nicht jeder fühlt sich wohl, in solch einen Prozess einzusteigen und diesen im Berufsleben zu integrieren. Ein Agile Coach für Führungspersönlichkeiten kann hier helfen.

Was macht eine Führungspersönlichkeit in einer agilen Welt aus?

Menschen lernen durch Nachahmung. Wie lernen Kinder? Indem sie Verhalten beobachten und nachahmen. Eine agile Führungspersönlichkeit sollte selbst das Vorleben, was er von seinen Mitarbeitern erwartet. Agile Führung bedeutet, ein Servant Leader zu sein. Dazu braucht es Vertrauen dem Mitarbeiter gegenüber. Wenn sich eine Führungspersönlichkeit als Coach sieht, kann der Mitarbeiter sich selbst organisieren und selbstbestimmt arbeiten. Er kann sich zu dem Zeitpunkt, der für ihn der richtige ist, und in der Form, die er braucht, um sich selbst weiterzuentwickeln, die notwendige Unterstützung einholen, Die Führungspersönlichkeit bietet Leitplanken zur Orientierung an, deren alltägliche Ausgestaltung in der Verantwortung des Mitarbeiters liegt.

Was sind die Risiken, wenn eine Führungspersönlichkeit coacht?

Das Verständnis eines Servant Leaders ist sehr unterschiedlich. Einige Führungspersönlichkeiten sehen den Einsatz von Coaching als Möglichkeit den Mitarbeiter dahin zu führen, wo sie diese Person haben wollen. Coaching ist aber immer ergebnisoffen. Der Coach sollte den Coachee niemals zu einem vorgegebenen Ergebnis leiten. Hier die neutrale Rolle des Coaches einzunehmen ist schwer und vielleicht gar nicht immer möglich oder sinnvoll. Wenn Coachingtools missverstanden verwendet werden, kann dies zu einer Verschlechterung der Beziehung zwischen Mitarbeiter und Führungspersönlichkeit führen.

Eine Führungspersönlichkeit verfolgt automatisch eigene Ziele und Meinungen. Hier absichtslos zu coachen ist eine Herausforderung, für die es aber Lösungen gibt.

Eine Möglichkeit ist es, Coachingwerkzeuge zu nutzen, um gemeinsame Ziele und Visionen zu verfolgen. In dem Moment, in dem Ziele und Visionen aus dem Team kommen, kann eine Führungspersönlichkeit wunderbar als Coach agieren. Wie effektiv der Einsatz von Coaching als Führungspersönlichkeit ist, hängt davon ab, wie agil das Unternehmen aufgestellt ist und wie viel Selbstorganisation und Selbstbestimmung zugelassen wird.

Eine andere Möglichkeit ist es, sich in kleinen Schritten vorzuwagen. Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen. Keine Führungspersönlichkeit muss ihr Selbst auf einmal komplett offenbaren. Ebenso muss die Transformation von einer leitenden und vorgegebenen zu einer dienenden Führung nicht urplötzlich vollzogen werden.

Den Prozess der Veränderung gilt es gemeinsam zu gehen.. Es gilt rauszufinden, wie viel Selbstorganisation und Selbstbestimmung von wem an welcher Stelle gelebt werden möchte. Gemeinsam können dann Wege gefunden werden, Dinge auszuprobieren.

Sollte die Führungspersönlichkeit sich als Coach verstehen?

Ja. In einem agilen Unternehmen sollte sich die Führungspersönlichkeit als Coach sehen. Dazu braucht diese Person ein positives Menschenbild, die Haltung des Nicht-Wissens, ein ehrliches Interesse an ihren Mitarbeitern und das Beherrschen von  Fragetechniken und Coachingtools. Agiles Handeln und Sein beginnt im Kopf. Die eigene Rolle als Servant Leader zu betrachten, ist ein Schritt in Richtung agiler Führung.

 

Ein Beitrag von Carolin Habekost

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